Es gehört zu den eher unscheinbaren, aber doch aufschlussreichen Übungen eines Bundesligisten, im Januar einmal auf jene Spieler zu blicken, die gerade anderswo ihr Glück versuchen. Manchmal findet man dort kleine Fortschrittsgeschichten, manchmal Tragikomödien, manchmal nur die nüchterne Erkenntnis, dass Entwicklung selten linear verläuft. Beim VfB Stuttgart ist das in dieser Saison nicht anders. Ein Blick auf die Leihspieler zeigt: Es wird gearbeitet, gerackert, gestolpert – und gelegentlich gezaubert.
Jovan Milosevic – ein Stürmer im Wartestand
Jovan Milosevic durfte gegen Leverkusen ab der 60. Minute mitspielen, was in etwa so dankbar ist wie ein Schachspiel zu übernehmen, wenn der Gegner schon Dame, Turm und Läufer in Stellung gebracht hat. Leverkusen führte 1:0, Bremen hing in den Seilen, und Milosevic versuchte, mit zwei harmlosen Abschlüssen und ein paar soliden Zweikämpfen wenigstens ein bisschen Körperlichkeit ins Spiel zu bringen.
Es blieb beim Versuch.
Werder rutschte auf Platz 15, und am Dienstag wartet Hoffenheim – jene Hoffenheimer, die Frankfurt zuletzt auseinandergenommen haben wie ein schlecht zusammengebautes Ikea-Regal. Man möchte also nicht unbedingt auf einen Bremer Sieg wetten. Aber vielleicht denkt sich Steffen ja: Wenn schon Chaos, dann richtig – und wirft Milosevic mal von Beginn an rein. Man weiß ja nie.
Yannik Keitel – der Mann mit der Aura
Es gibt Spieler, die brauchen keine Ballkontakte, um ein Spiel zu verändern. Yannik Keitel ist offenbar so einer.
Bis zur 74. Minute führte Bayern gegen Augsburg 1:0. Dann kam Keitel. Und dann fiel das 1:1. Und dann das 2:1
Keitels Anteil: vier Ballkontakte, ein Pass, null Zweikämpfe, null Torschüsse.
Man könnte sagen: Er war nicht beteiligt. Oder man könnte sagen: Er war entscheidend beteiligt. Aura eben. Der Keitel-Effekt.
Augsburg springt auf Platz 13 und empfängt am Samstag St. Pauli. Vielleicht reicht ja wieder ein Pass.
Leonidas Stergiou – zurück auf dem Platz, zurück in der Realität
Leonidas Stergiou spielte 90 Minuten für Heidenheim, was zunächst einmal die gute Nachricht ist. Die weniger gute: Bei einem Gegentor sah er nicht ideal aus. Die ehrliche: Leipzig war in der zweiten Halbzeit schlicht eine Klasse besser.
Heidenheim bleibt Tabellenletzter, und am Sonntag geht es zum BVB. Man muss kein Prophet sein, um zu ahnen, dass diese Saison für den FCH eher ein Überlebenskampf als ein Abenteuer wird. Aber Stergiou spielt wieder!
Dennis Seimen – ein Sieg, der gut tut
Paderborn hatte fünf Spiele lang nicht gewonnen, lag gegen Preußen Münster zurück – und gewann am Ende doch 2:1. Beim Gegentor sah die gesamte Abwehr nicht gut aus, Seimen eingeschlossen. Danach aber stabilisierte er sich, und Paderborn kletterte auf Platz 3.
Nächste Woche geht es nach Düsseldorf, die auf Rang 16 stehen. Ein Spiel, das man in Paderborn wohl als „Chance“ bezeichnet und in Düsseldorf als „Gefahr“.
Jarzinho Malanga – solide, aber noch nicht zwingend
Elversberg hat im neuen Jahr noch nicht so recht in den Rhythmus gefunden: erst ein 2:3 in Nürnberg, dann ein 1:1 gegen Bochum. Malanga kam gegen Bochum in der 74. Minute, spielte ordentliche Pässe, sprintete fleißig, blieb aber in Zweikämpfen und Dribblings eher unauffällig.
Elversberg fällt aus den Top 3 und ist nun Vierter. Am Samstag geht es auf den Betzenberg, wo man mit vier Punkten Rückstand, auf Platz 6 liegend, schon ein bisschen lauert. Es wird ein Spiel, das nach Kampf und Chaos riecht – also eines, in dem Malanga durchaus glänzen könnte.
Laurin Ulrich – der Aufsteiger im Zentrum
Magdeburg verlor gegen Dynamo Dresden, aber Laurin Ulrich war einer der wenigen Lichtblicke. Starke Pässe, saubere Ballkontrolle, Präsenz im Zentrum – Ulrich macht gerade einen Schritt, der sich nicht mehr übersehen lässt.
Ein bisschen mehr Torgefahr, und man müsste sich in Stuttgart ernsthaft fragen, wie man ihn im Sommer wieder integriert.
Magdeburg fällt auf Platz 14, spielt aber am Freitag erneut zu Hause – gegen Hannover. Ulrich dürfte wieder beginnen. Und das ist für Magdeburg eine gute Nachricht.
Benjamin Boakye – ein Bankplatz mit Bedeutung
Boakye saß beim 2:2 der Arminia gegen Kiel 90 Minuten auf der Bank. Das klingt nach wenig, reichte aber, um auf Platz 13 zu klettern. Am Sonntag geht es nach Dresden, die nur einen Punkt hinter Bielefeld stehen. Ein Spiel, das man in Ostwestfalen wohl als „sehr wichtig“ bezeichnet – und in Dresden als „überlebenswichtig“.
Luca Raimund – ein bitterer Nachmittag
Auch Luca Raimund blieb draußen, sah die 1:2-Niederlage der Fortuna in Hannover von der Seitenlinie. Düsseldorf rutscht auf Platz 16, den Relegationsplatz. Und wie es der Spielplan so will: Nächster Gegner ist Paderborn.
Es könnte ein unangenehmer Abend werden.
Eliot Bujupi – Knieverletzung
Mehr muss man nicht sagen. Hoffen wir, dass es nicht allzu lange dauert.
Peter Reinhardt – Winterpause
In Illertissen rollt der Ball erst im Februar wieder. Für Reinhardt heißt das: warten, trainieren, hoffen.





