Die Leihspieler des VfB Stuttgart (26. Januar 2026)


Es gehört zu den eher unscheinbaren, aber doch aufschlussreichen Übungen eines Bundesligisten, im Januar einmal auf jene Spieler zu blicken, die gerade anderswo ihr Glück versuchen. Manchmal findet man dort kleine Fortschrittsgeschichten, manchmal Tragikomödien, manchmal nur die nüchterne Erkenntnis, dass Entwicklung selten linear verläuft. Beim VfB Stuttgart ist das in dieser Saison nicht anders. Ein Blick auf die Leihspieler zeigt: Es wird gearbeitet, gerackert, gestolpert – und gelegentlich gezaubert.


Jovan Milosevic – ein Stürmer im Wartestand
Jovan Milosevic durfte gegen Leverkusen ab der 60. Minute mitspielen, was in etwa so dankbar ist wie ein Schachspiel zu übernehmen, wenn der Gegner schon Dame, Turm und Läufer in Stellung gebracht hat. Leverkusen führte 1:0, Bremen hing in den Seilen, und Milosevic versuchte, mit zwei harmlosen Abschlüssen und ein paar soliden Zweikämpfen wenigstens ein bisschen Körperlichkeit ins Spiel zu bringen.

Es blieb beim Versuch.

Werder rutschte auf Platz 15, und am Dienstag wartet Hoffenheim – jene Hoffenheimer, die Frankfurt zuletzt auseinandergenommen haben wie ein schlecht zusammengebautes Ikea-Regal. Man möchte also nicht unbedingt auf einen Bremer Sieg wetten. Aber vielleicht denkt sich Steffen ja: Wenn schon Chaos, dann richtig – und wirft Milosevic mal von Beginn an rein. Man weiß ja nie.

Yannik Keitel – der Mann mit der Aura
Es gibt Spieler, die brauchen keine Ballkontakte, um ein Spiel zu verändern. Yannik Keitel ist offenbar so einer.

Bis zur 74. Minute führte Bayern gegen Augsburg 1:0. Dann kam Keitel. Und dann fiel das 1:1. Und dann das 2:1

Keitels Anteil: vier Ballkontakte, ein Pass, null Zweikämpfe, null Torschüsse.

Man könnte sagen: Er war nicht beteiligt. Oder man könnte sagen: Er war entscheidend beteiligt. Aura eben. Der Keitel-Effekt.

Augsburg springt auf Platz 13 und empfängt am Samstag St. Pauli. Vielleicht reicht ja wieder ein Pass.

Leonidas Stergiou – zurück auf dem Platz, zurück in der Realität
Leonidas Stergiou spielte 90 Minuten für Heidenheim, was zunächst einmal die gute Nachricht ist. Die weniger gute: Bei einem Gegentor sah er nicht ideal aus. Die ehrliche: Leipzig war in der zweiten Halbzeit schlicht eine Klasse besser.

Heidenheim bleibt Tabellenletzter, und am Sonntag geht es zum BVB. Man muss kein Prophet sein, um zu ahnen, dass diese Saison für den FCH eher ein Überlebenskampf als ein Abenteuer wird. Aber Stergiou spielt wieder!

Dennis Seimen – ein Sieg, der gut tut
Paderborn hatte fünf Spiele lang nicht gewonnen, lag gegen Preußen Münster zurück – und gewann am Ende doch 2:1. Beim Gegentor sah die gesamte Abwehr nicht gut aus, Seimen eingeschlossen. Danach aber stabilisierte er sich, und Paderborn kletterte auf Platz 3.

Nächste Woche geht es nach Düsseldorf, die auf Rang 16 stehen. Ein Spiel, das man in Paderborn wohl als „Chance“ bezeichnet und in Düsseldorf als „Gefahr“.

Jarzinho Malanga – solide, aber noch nicht zwingend
Elversberg hat im neuen Jahr noch nicht so recht in den Rhythmus gefunden: erst ein 2:3 in Nürnberg, dann ein 1:1 gegen Bochum. Malanga kam gegen Bochum in der 74. Minute, spielte ordentliche Pässe, sprintete fleißig, blieb aber in Zweikämpfen und Dribblings eher unauffällig.

Elversberg fällt aus den Top 3 und ist nun Vierter. Am Samstag geht es auf den Betzenberg, wo man mit vier Punkten Rückstand, auf Platz 6 liegend, schon ein bisschen lauert. Es wird ein Spiel, das nach Kampf und Chaos riecht – also eines, in dem Malanga durchaus glänzen könnte.

Laurin Ulrich – der Aufsteiger im Zentrum
Magdeburg verlor gegen Dynamo Dresden, aber Laurin Ulrich war einer der wenigen Lichtblicke. Starke Pässe, saubere Ballkontrolle, Präsenz im Zentrum – Ulrich macht gerade einen Schritt, der sich nicht mehr übersehen lässt.

Ein bisschen mehr Torgefahr, und man müsste sich in Stuttgart ernsthaft fragen, wie man ihn im Sommer wieder integriert.

Magdeburg fällt auf Platz 14, spielt aber am Freitag erneut zu Hause – gegen Hannover. Ulrich dürfte wieder beginnen. Und das ist für Magdeburg eine gute Nachricht.

Benjamin Boakye – ein Bankplatz mit Bedeutung
Boakye saß beim 2:2 der Arminia gegen Kiel 90 Minuten auf der Bank. Das klingt nach wenig, reichte aber, um auf Platz 13 zu klettern. Am Sonntag geht es nach Dresden, die nur einen Punkt hinter Bielefeld stehen. Ein Spiel, das man in Ostwestfalen wohl als „sehr wichtig“ bezeichnet – und in Dresden als „überlebenswichtig“.

Luca Raimund – ein bitterer Nachmittag
Auch Luca Raimund blieb draußen, sah die 1:2-Niederlage der Fortuna in Hannover von der Seitenlinie. Düsseldorf rutscht auf Platz 16, den Relegationsplatz. Und wie es der Spielplan so will: Nächster Gegner ist Paderborn.

Es könnte ein unangenehmer Abend werden.

Eliot Bujupi – Knieverletzung
Mehr muss man nicht sagen. Hoffen wir, dass es nicht allzu lange dauert.

Peter Reinhardt – Winterpause
In Illertissen rollt der Ball erst im Februar wieder. Für Reinhardt heißt das: warten, trainieren, hoffen.

Folge 422 – Ciao Roma!

Warum hat der VfB Stuttgart gegen Union den perfekten Start ins neue Jahr verpasst? Wir gehen mit euch auf Spurensuche und beschäftigen uns mit Themen wie Effizienz und späten Wechseln. Aber natürlich blicken wir auch auf das nächste Spiel und sagen euch, was den VfB in Rom erwartet. Und natürlich gibt es noch viel mehr: Transfer-Update, Leihspieler-Segment, Jahresauftakt der U21, torreiches Testspiel der VfB-Frauen, die U19, neue Partner und, und, und!

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Die Leihspieler des VfB Stuttgart


Es gehört zu den kleinen Ironien des Fußballgeschäfts, dass man manchmal erst in der Ferne erkennt, was man zu Hause hat. Der VfB Stuttgart hat nicht erst seit diesem Winter eine ganze Handvoll junger Spieler in die Republik und darüber hinaus verstreut – und nun schaut man Woche für Woche auf die Spielberichte anderer Klubs, um zu sehen, wie viel Zukunft gerade anderswo heranwächst. Ein Überblick über jene, die gerade nicht da sind, aber doch irgendwie dazugehören.

Jovan Milosevic – der Unerschrockene in Grün-Weiß
Leihe bis 30. Juni 2026 zu Werder Bremen

Man hätte meinen können, der Wechsel nach Bremen würde die Schlagzahl der Erfolgsmeldungen etwas dämpfen. Doch Jovan Milosevic ist kein Spieler, der sich an dramaturgische Erwartungen hält. In seinem zweiten Bundesligaspiel trifft er prompt – zum 3:2, im Weserstadion, mit jener jugendlichen Unbekümmertheit, die man nicht trainieren kann.

Dass Frankfurt in der letzten Minute der Nachspielzeit noch den Ausgleich erzwingt, ist bitter für Bremen, aber nicht für Milosevic. Für ihn war es ein Heimdebüt, das man sich in Stuttgart notiert. Bremen steht auf Platz 13, am Samstag wartet Leverkusen. Und man hat das Gefühl: Wenn Milosevic Lust hat, trifft er dort auch.

Yannik Keitel – ein Debüt mit Schattenseiten
Leihe bis 30. Juni 2026 zum FC Augsburg

Yannik Keitel durfte in Augsburg sofort ran – in der Innenverteidigung, einer Position, die man nicht einfach so spielt, sondern erträgt. Nach 63 Minuten war Schluss, da stand es bereits 2:2, obwohl Augsburg 2:0 geführt hatte.

Keitels Anteil daran? Beim 1:2 verlängert er einen Ball unglücklich zu Suzuki, der ihn unter die Latte hämmert. Dazu eine überschaubare Zweikampfquote, Aufbau mit Luft nach oben. Es war ein Debüt, das man höflich „holprig“ nennt. Augsburg steht auf Platz 15 und fährt nun zum FC Bayern. Ein Ort, an dem Innenverteidiger selten Selbstvertrauen tanken.

Leonidas Stergiou – drei Minuten, ein Gegentor, ein Lernmoment
Leihe bis 30. Juni 2026 zum 1. FC Heidenheim

Auch Leonidas Stergiou bekam seine ersten Minuten – und sie waren von der Sorte, die man später in Interviews als „prägend“ bezeichnet. Beim Stand von 1:0 eingewechselt, drei Minuten später fällt der Ausgleich.

Sieben Ballkontakte, ein gewonnener Zweikampf, solide mit Ball, aber insgesamt ein Einsatz, der eher ein Versprechen als eine Aussage war. Heidenheim klettert auf Platz 16 und empfängt RB Leipzig. Stergiou wird mehr Gelegenheiten bekommen. Und er wird sie brauchen.

Dennis Seimen – der Ruhepol in Paderborn
Leihe bis 30. Juni 2026 zum SC Paderborn

Dennis Seimen machte ein gutes Spiel, auch wenn zwei Gegentore im Protokoll stehen. Beim ersten ist er noch dran, beim zweiten machtlos. Paderborn bleibt Vierter, trifft nun auf Preußen Münster.

Seimen wirkt wie ein Torhüter, der nicht auf die Tabelle schaut, sondern auf die nächste Parade. Das ist für junge Keeper oft die wichtigste Fähigkeit.

Jarzinho Malanga – der Unerschrockene von Elversberg
Leihe bis 30. Juni 2026 zur SV Elversberg

Elversberg verliert in Nürnberg 2:3, aber Jarzinho Malanga trifft – sein zweites Saisontor, zum zwischenzeitlichen 2:1. Er steht in der Startelf, er wirkt angekommen, er wirkt gefährlich.

Elversberg bleibt Zweiter, nächster Gegner ist der VfL Bochum. Malanga spielt, als wolle er dem VfB sagen: Vergesst mich nicht.

Laurin Ulrich – der Taktgeber in Magdeburg
Leihe bis 30. Juni 2026 zum 1. FC Magdeburg

Magdeburg gewinnt 3:0 in Braunschweig, steht nun auf Platz 12, aber die Tabelle ist eng wie ein Nadelöhr. Laurin Ulrich spielt 78 Minuten, spielt gut, spielt reif.

Am Samstag kommt Dynamo Dresden – ein Spiel, das man in Magdeburg „wichtig“ nennt und in Stuttgart aufmerksam verfolgt. Ulrich könnte mit einem Sieg ein Polster schaffen, das man in dieser Liga selten hat. Topspiel, 20:30 Uhr. Pflichttermin.

Luca Raimund – der Einwechsler mit Wirkung
Mit Rückkaufoption zu Fortuna Düsseldorf

Beim 1:0 der Fortuna gegen Bielefeld kommt Luca Raimund in der 62. Minute. Er stabilisiert, er beteiligt sich, er hilft, die drei Punkte über die Zeit zu bringen. Düsseldorf springt auf Platz 14, fährt nun nach Hannover.

Benjamin Boakye – ein starker Pass, wenig Ertrag
Mit Rückkaufoption zu Arminia Bielefeld

Benni Boakye kommt gegen Düsseldorf in der 74. Minute. Er spielt einen herausragenden Pass, der aber nicht zum Tor führt. Ansonsten bleibt es bei Ansätzen.

Bielefeld rutscht auf den Relegationsrang, seit sechs Spielen ohne Sieg. Am Freitag kommt Holstein Kiel – ein Gegner, der seit fünf Pflichtspielen ungeschlagen ist. Es wird ungemütlich.

Eliot Bujupi – verletzt in Westerlo
Leihe bis 30. Juni 2026 zu KVC Westerlo

Bujupi fehlt mit Knieverletzung. Mehr muss man nicht sagen, außer: gute Besserung.

Peter Reinhardt – Winterpause in Illertissen
Leihe bis 30. Juni 2026 zum FV Illertissen

In der Regionalliga Bayern ruht der Ball bis Februar.

Grischa Prömel und der VfB: Ein Gedanke, der elektrisiert – und gleichzeitig Bauchschmerzen macht

Es gibt Meldungen, die rauschen durch die Fußballwelt wie ein Windstoß, der erst die Gardinen hebt und dann die Nerven. Die Nachricht, der VfB Stuttgart beschäftige sich ernsthaft mit Grischa Prömel, gehört genau in diese Kategorie. Ein Name, der sofort Diskussionen entfacht – und zwar nicht nur wegen seiner fußballerischen Qualitäten.

Denn Prömel bringt eine Vita mit, die man in Stuttgart freundlich formuliert als „herausfordernd“ bezeichnen könnte. Kickers. Hoffenheim. KSC. Union. Man könnte sagen: Er hat sich konsequent durch die Liste der Vereine gearbeitet, die beim VfB-Fan reflexartig Ausschlag verursachen. Viel schlimmer geht’s fast nicht. Und trotzdem: Über seine Qualitäten muss man nicht lange reden. Prömel ist ein guter Spieler. Punkt.

BAU // Stuttgart , Bundesliga Fußball VfB Stuttgart vs. TSG 1899 Hoffenheim, v.l. Angelo Stiller (VfB) / Grischa Prömel (Hoffenheim)

Das Problem: Er ist ein guter Spieler, der oft nicht spielt

Und genau da beginnt das Dilemma. Prömel ist 31. Das ist kein Alter, bei dem man im Profifußball automatisch aussortiert wird – aber es ist auch nicht mehr die Phase, in der man sich jedes Jahr neu erfindet. Dazu kommt eine Verletzungshistorie, die man nicht einfach wegmoderieren kann: Kreuzbandriss, Innenbandverletzung, Knöchelbruch. Ein Körper, der viel erlebt hat – vielleicht zu viel.

Der VfB weiß das. Prömel weiß das. Und trotzdem steht sein Name wieder auf dem Zettel. Wie schon 2022, als der VfB ihn unbedingt wollte. Damals war er ablösefrei, die Gespräche liefen, alles sah gut aus – aber der VfB zitterte bis zum letzten Spieltag um den Klassenerhalt. Prömel wollte nicht in die Zweite Liga. Verständlich. Also ging er nach Hoffenheim. Nicht wegen des Geldes, sondern wegen der Planungssicherheit. Ein Wort, das in Stuttgart damals ungefähr so stabil war wie ein Kartenhaus im Föhnwind.

Der Spieler, der einem auf den Geist geht – und den man trotzdem gern hätte

Man muss es so deutlich sagen: Prömel ist einer dieser Spieler, die einem als Gegner wahnsinnig auf die Nerven gehen. Er läuft, er grätscht, er nervt, er provoziert, er ist überall und nirgendwo. Ein Spieler, der einem 90 Minuten lang auf den Sack geht.

Und genau deshalb würde man ihn im eigenen Trikot feiern.

Denn der VfB hat viel Talent, viel Technik, viel Spielwitz – aber er hat nicht viele Spieler, die dem Gegner systematisch die Laune verderben. Prömel wäre genau dieser Typ. Einer, der ein Spiel nicht nur spielt, sondern es beeinflusst. Einer, der Räume frisst und Emotionen erzeugt. Einer, der die Mannschaft in Phasen trägt, in denen es nicht um Schönheit geht, sondern um Widerstand.

Die Frage ist nur: Zu welchem Preis?

Die Vita? Geschenkt. Der Mann hat nie gegen den VfB geschossen, verbal oder sonst wie. Das ist kein Problem.

Das Problem sind Alter und Verletzungen. Das sind Red Flags, die man nicht ignorieren kann. Wenn Prömel bereit wäre, einen leistungsbezogenen Vertrag zu unterschreiben – warum nicht? Dann wäre das Risiko kalkulierbar. Aber ein Spieler mit dieser Historie und diesem Alter ist kein Transfer, den man einfach so durchwinkt.

Zumal die Situation ohnehin eine andere Wendung genommen hat: Hoffenheim und Prömel waren sich eigentlich schon einig. Dann wechselte er die Berateragentur – und plötzlich war wieder Bewegung drin.

Ein anderer Gedanke: Vielleicht sollte der VfB einfach größer denken

Denn es gibt ein Szenario, das viel mehr Sinn ergibt als ein 31-jähriger Dauerläufer mit fragiler Krankenakte:

Rocco Reitz.

Ja, die Ausstiegsklausel liegt bei 28 Millionen. Das ist viel. Zu viel. Aber Reitz ist ein Spieler, der nicht nur gegen den Ball arbeitet, sondern ihn auch sinnvoll bewegt. Mentalität, Intensität, Spielintelligenz – das Gesamtpaket ist beeindruckend. Und wenn Angelo Stiller im Sommer geht, wird der VfB ohnehin Geld in die Hand nehmen müssen.

Für 20 bis 23 Millionen? Da beginnt die Diskussion. Und sie ist berechtigt.

Reitz ist kein Stiller-Klon, aber er bringt etwas mit, das der VfB dringend braucht: Präsenz. Mut. Härte. Und die Fähigkeit, ein Spiel zu lesen, bevor es entsteht.

Fazit: Prömel wäre verständlich – aber Reitz wäre konsequent

Grischa Prömel wäre ein Transfer, der kurzfristig helfen könnte. Einer, der Emotionen reinbringt, der Spiele dreckig macht, der Gegner nervt und Mitspieler mitzieht. Aber er wäre auch ein Transfer mit Ablaufdatum und Risiko.

Rocco Reitz dagegen wäre ein Transfer, der eine Ära prägen könnte.

Deshalb mein zugespitztes Fazit:

Lass Prömel in Hoffenheim. Wenn der VfB wirklich wachsen will, muss er in die Zukunft investieren – nicht in die Vergangenheit.

Leonidas Stergiou nach Heidenheim: Warum diese Leihe für alle Sinn ergibt

Es gibt Transfers, die polarisieren – und es gibt Transfers, bei denen man nach ein paar Sekunden merkt: Das passt. Die Leihe von Leonidas Stergiou zum 1. FC Heidenheim gehört für mich ganz klar in die zweite Kategorie.

Der Deal war im Grunde schon lange angelegt: Heidenheim wurde früh als Interessent gehandelt, Augsburg war ebenfalls dran. Auch beim VfB und im Umfeld von Stergiou konnte man sich eine Leihe auf die Ostalb gut vorstellen. Und ehrlich gesagt: Wäre da nicht die Verletzungsmisere in der Innenverteidigung gewesen, wäre dieser Transfer wohl schon deutlich früher durchgewunken worden.

BAU // 21.07.2025, Leonidas Stergiou, VfB Stuttgart; 1.Liga, Porträttermin 2025/2026,

Warum der Transfer zunächst auf Eis lag

Die Ausgangslage kennen wir:
Beim VfB fielen in der Innenverteidigung gleich mehrere Spieler aus. Plötzlich war jeder verfügbare Innenverteidiger gefühlt systemrelevant. In so einer Phase gibst du keinen Spieler ab, der dir im Zweifel Stabilität geben kann – selbst wenn der Plan sportlich eigentlich ein anderer war.

Deshalb wurde der Wechsel nach Heidenheim zunächst „on hold“ gesetzt. Nicht, weil man Zweifel an Stergiou hatte, sondern weil die Kadersituation es einfach nicht hergegeben hat.

Jetzt aber hat sich die Lage verändert:

  • Ameen Al-Dakhil ist zurück im Mannschaftstraining.
  • Bei Finn Jeltsch ist der Rücken wieder stabil.
  • Luca Jaquez steht vor seinem Comeback.

Kurz gesagt: Die Not im Defensivzentrum ist nicht mehr so groß wie noch vor ein paar Wochen. Und damit war der Weg frei, die ursprüngliche Idee wieder aufzugreifen.

Die Rahmendaten: Leihe, keine Kaufoption, ordentliche Summe

Die Fakten zur Leihe, soweit aus der Presse bekannt:

  • Leihe bis Saisonende
  • Keine Kaufoption
  • Heidenheim zahlt einen mittleren sechsstelligen Betrag

Das ist kein spektakulärer Transfer im Sinne von Breaking News – aber ein sehr sauberer, durchdachter Move. Der VfB gibt die langfristigen Rechte an Stergiou nicht aus der Hand, kassiert gleichzeitig eine ordentliche Leihgebühr und entlastet den Kader an einer Stelle, an der die Konkurrenz aktuell extrem hoch ist.

Warum der Schritt für Stergiou sportlich alternativlos ist

Stergiou hat beim VfB bereits gezeigt, dass er Bundesliga-Niveau hat. Das ist keine Wette auf Potenzial, sondern eine relativ klare Bestandsaufnahme. Wenn er gespielt hat, war das in aller Regel solide bis gut. Sein Problem ist nicht die Qualität – sein Problem ist die Situation.

Beim VfB ist die Konkurrenz auf der rechten Seite und in der Innenverteidigung brutal: Etablierte Spieler, Talente mit hoher Perspektive, dazu taktische Varianten, bei denen er nicht automatisch erste Wahl ist. In so einem Umfeld kann es schnell passieren, dass du zu wenig Minuten bekommst – und das ist für jemanden wie Stergiou wenig förderlich.

Dazu kommt:
Er will den Sprung in den WM-Kader der Schweizer Nationalmannschaft schaffen. Das ist ein ambitioniertes, aber realistisches Ziel. Nur: Ohne regelmäßige Einsätze in der Bundesliga wird das extrem schwer. Für eine WM-Nominierung brauchst du Rhythmus, Präsenz, Sichtbarkeit. All das bekommt er in Heidenheim deutlich eher als in Stuttgart.

Für ihn ist diese Leihe deshalb mehr als nur ein Zwischenschritt – es ist eine Chance, seine Karriere aktiv zu steuern, statt nur zu reagieren.

Warum der VfB sich trotzdem nicht schwächt

Die naheliegende Frage aus VfB-Sicht: Schwächen wir uns damit nicht in der Breite?

Meine Antwort: Nein – zumindest nicht in einem Maße, das den Schritt infrage stellt.

Mit der Rückkehr von Jeltsch, Al-Dakhil und dem bevorstehenden Comeback von Jaquez ist die Innenverteidigung wieder so aufgestellt, dass du eine Leihe wie diese verantworten kannst. Zumal der VfB in den letzten Monaten gezeigt hat, dass er auch mit Rotationen und Ausfällen umgehen kann, ohne komplett ins Wanken zu geraten.

Dazu kommt ein anderer Punkt:
Ein Spieler, der kaum spielt, verliert an Wert – sportlich wie wirtschaftlich. Wenn Stergiou in Heidenheim Stammspieler wird, sich weiterentwickelt und im Sommer mit vielen Bundesliga-Minuten im Tank zurückkommt, ist das für den VfB ein klarer Gewinn. Sein Vertrag läuft noch bis 30.06.2028 – der Verein hat also langfristig alle Optionen.

Heidenheim als perfektes Umfeld

Für Heidenheim ist dieser Transfer fast schon ein Geschenk.

Frank Schmidt bekommt einen RV/IV, der:

  • Bundesliga-Erfahrung mitbringt
  • taktisch diszipliniert ist
  • im Spielaufbau sauber agiert
  • und sofort helfen kann

Heidenheim ist zudem ein Umfeld, in dem Spieler nicht verheizt, sondern gezielt eingebunden werden. Die Erwartungshaltung ist hochprofessionell, aber nicht toxisch. Für einen Spieler, der Stabilität und Rhythmus sucht, ist das ein ideales Setting.

Mein Fazit: Ein Transfer ohne Verlierer

Für mich ist die Leihe von Leonidas Stergiou nach Heidenheim eine dieser seltenen Konstellationen, in denen wirklich alle Seiten profitieren:

  • Stergiou bekommt das, was er am dringendsten braucht: Spielzeit, Verantwortung, Sichtbarkeit.
  • Heidenheim bekommt einen entwicklungsfähigen, aber schon erprobten Spieler, der sofort Bundesliga spielen kann.
  • Der VfB sichert sich die langfristigen Rechte, kassiert eine ordentliche Leihgebühr und hat die Chance, im Sommer einen gereiften Spieler zurückzubekommen.

Deshalb mein Blick auf die nächsten Monate:

Lass ihn in Heidenheim kicken – und dann schauen wir im Sommer weiter.

Die Grundlage dafür, dass das für den VfB am Ende ein richtig guter Move wird, ist auf jeden Fall gelegt.

Folge 421 – Deutschlands beste Mannschaft

Nach dem überragend effizienten 4:1 in Leverkusen gab es beim 3:2 gegen Eintracht Frankfurt die komplette Neckarstadion-Experience mit (zu) viel Drama. Wir blicken auf die beiden Siege zum Jahresauftakt zurück, schauen natürlich auch auf den nächsten Gegner, und sagen euch, wie der VfB Stutgart am Sonntag Union Berlin schlagen kann. Außerdem in dieser Folge: Das Transfer-Update, ein Blick auf unsere Leihspieler, der Afrika-Cup, die U21, die VfB-Frauen und der Mercedes-Benz Junior Cup!

SHOWNOTES:
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Wahl zum Tor des Jahres
VfB STR: Folge 420 | Im Gespräch mit Lisa Lang und Sascha Glass

Folge 124 – Das ist nicht 08/15, das ist 0711!

In Berlin gegen Bielefeld: Der VfB Stuttgart macht mit dem 3:1 gegen RB Leipzig das dicke B perfekt! Wir geben euch einen Erlebnisbericht des Halbfinals und versuchen zumindest, die Entwicklung in Bad Cannstatt in den letzten zwei Jahren einzuordnen. Außerdem sprechen wir kurz über die Niederlage der U19 in der Youth League und blicken voraus auf das anstehende Ligaspiel in Bochum.

Folge 123 – Im Gespräch mit Stephan Hildebrandt (NLZ-Direktor des VfB Stuttgart)

Seit gut 1,5 Jahren ist Stephan Hildebrandt der Leiter des VfB Stuttgart Nachwuchsleistungszentrums. Höchste Zeit, mit ihm zu reden: Über seine Stationen in Berlin, Hamburg, Cottbus und Katar. Über den aktuellen Zustand des NLZ und über zukünftige Pläne. Und natürlich auch über den Höhenflug der U19 und den Aufstieg der U21 in die dritte Liga, gefolgt vom anschließenden Kampf um den Klassenerhalt. Außerdem erfahren wir, warum Bundesligaminuten wichtiger sind als Titel, und wie er junge Talente vom Stuttgarter NLZ überzeugen kann.

Folge 122 – Zeit für mehr

Nach dem VfB Deutschland kommt Eintracht Frankfurt: In dieser Folge reden wir darüber, wie sich die zahlreichen Nationalspieler des VfB Stuttgart für ihre Nationalmannschaften geschlagen haben und geben euch einen Ausblick auf das wichtige Auswärtsspiel am Samstagabend in Frankfurt. Weitere Themen sind natürlich ein Transfer-Update, alles Wissenswerte zu U19, U21 und den VfB Frauen, die neuesten Entwicklungen im Fall Akbulut und der Besuch des VfB in der Nachsorgeklinik in Tannheim.

Folge 121 – Mitgliederversammlung 2025 Recap

6,5 Stunden, 12 gewählte Gremienmitglieder und 5 beschlossene Änderungen in der Satzung: Das ist die Mitgliederversammlung des VfB Stuttgart in Zahlen. Aber natürlich gab es noch mehr: Zwei viel bejubelte Vertragsverlängerungen mit Sebastian Hoeneß und Leo Neugebauer zum Beispiel. Oder Finanzkennzahlen der VfB Stuttgart AG auf Rekordniveau. Oder große Pläne für den Neckarpark und Bad Cannstatt. Und last but not least: viel Harmonie! Hier kommt unsere Zusammenfassung der Mitgliederversammlung am 20. März 2025.